Reden wir über Klischees mit Sonja, Feministin. Sie ärgert sich über das Vorurteil der Männerfeindlichkeit – besonders, weil die Herren in ihren Augen den Aktivistinnen eigentlich danken müssten.


Welches Vorurteil über Feministinnen begegnet Dir am häufigsten?
Sonja: Männerfeindlichkeit ist typisch. Das ist für mich ein absurder Vorwurf, ich bin mit einem Mann verheiratet. Sexfeindlichkeit wird Feministinnen auch häufig vorgeworfen.

Wirklich: Sexfeindlichkeit?
Sonja: Ist für mich immer der Brüller, dieser Vorwurf. Denn ohne Feminismus hätten Männer und Frauen und alles dazwischen wesentlich weniger Sex. Die sozialen Kosten für Frauen außerhalb der Ehe überhaupt Sex zu haben wären noch immer viel zu hoch.

Was heißt das?
Sonja: Ohne Feminismus wären noch heute Jungfräulichkeit und Reinheit die Hauptwährung für Ehetauglichkeit. Daher wäre es für Frauen fast unmöglich, vorehelichen Sex zu haben. Ohne Feminismus würden Frauen auch nicht  über die weibliche Lust reden und viele Mythen würden sich noch hartnäckiger halten – etwa das Gerücht vom angeblichen Schmerz beim ersten Mal, gegen das Aktivistinnen seit Jahren ankämpfen. Es gäbe noch endlos viele weitere Gründe, deswegen: „If you had extramarital sex today, thank a feminist“.

© Sonja - Twitter.de

© Sonja – Twitter.de

Sonja ist Juristin, hat zwei Töchter, studiert Koreanisch in Frankfurt und ist bei aktiv Twitter.