Kopftuch, Schwimmunterricht oder Homo-Ehe: Was deutsche Muslime über diese Themen denken, wird Sie überraschen.


 

Die schrecklichen Ereignisse in Frankreich werden uns nachhaltig beschäftigen. 20 Tote in drei Tagen haben uns gezeigt, wie gefährlich Extremisten für Europa sind. Es ist schwer begreiflich, wozu Menschen fähig sein können.

Die Täter sind Muslime. Dass muslimische Organisationen die Verbrechen klar verurteilen, ist wichtig. Dennoch entsteht ein altbekannter Druck: Auch Normalbürger islamischen Glaubens müssen sich nun irgendwie von den französischen Killern distanzieren (darüber schreibt SZ-Journalist Hakan Tanriverdi sehr reflektiert). Das liegt sicher auch daran, dass die Mehrheitsgesellschaft so wenig über das Thema weiß. Hier ein paar Fakten über deutsche Muslime, die in jede Schublade gehören.


 

Viele sind für die Homo-Ehe.
In einer ganz frischen Bertelsmann-Umfrage gaben 60 Prozent der religiösen Muslime an, eine Heirat homosexueller Paare zu akzeptieren. Bei den Nichtreligiösen sind es 67 Prozent, bei den Hochreligiösen 40 Prozent. In Paris gibt es sogar eine Moschee für Schwule und Lesben. Zum Vergleich: Drei Viertel der Gesamtbevölkerung sind für die Homo-Ehe.

Es gibt viel weniger, als Du denkst.
Fast 70 Prozent der Deutschen überschätzen den Anteil der Muslime an der Bevölkerung. Knapp jeder Vierte glaubt sogar, dass 20 Prozent der Bundesbürger islamischen Glaubens sind. De facto sind es etwa fünf Prozent, also ca. 4 Millionen (neue Bundesländer: zwei Prozent).

Sie werden immer mehr – ein bisschen.
Ihr Anteil an der deutschen Gesamtbevölkerung wird steigen. Allerdings nicht sehr stark: Laut US-Forschern auf sieben Prozent im Jahr 2030.

Die allerwenigsten sind radikal.
Der Verfassungsschutz zählt über 43 000 Menschen zur islamistischen Szene, also ein Prozent der Muslime. Wie viele davon wirklich gefährlich sind, ist unklar. 7000 dieser Gruppe sind Salafisten, 1000 sollen „islamistisch-terroristisch“ sein, 260 davon sind „Gefährder“. Letzteren traut die Polizei zu, Terrorakte zu begehen.

Die Mehrheit trägt kein Kopftuch.
Laut einer repräsentativen Studie tragen nur 28 Prozent der Musliminnen in Deutschland ein Kopftuch – fast immer aus religiösen Gründen. Nur bei sechs bis sieben Prozent der Befragten gab es Hinweise dafür, dass Zwang oder Erwartungen von außen eine Rolle spielen könnten.

Schwimmunterricht? Na klar!
Dass junge Musliminnen lieber zu Hause bleiben, als mit ins Wasser zu springen, gilt als wiederlegt: nur zwei Prozent nehmen nicht am schulischen Schwimmunterricht teil.

Auch Jesus ist ihr Prophet.
Was die allermeisten nicht wissen: Auch für Muslime hat Jesus eine wichtige Bedeutung als Prophet. Zudem gibt es ein ganzes Buch über die Jungfrau Maria im Koran. Sie lieben Satire. „In der arabischen Welt kursieren […] wunderbare, zum Brüllen komische Satiren auf die Dschihadisten“, schreibt Sonja Zekri von der Süddeutschen Zeitung und gibt einige Kostproben. Ein weiteres Beispiel aus Deutschland gibt es hier.

Kontakt verhindert Vorurteile.
Es ist eine Binsenweisheit: Wer Mitglieder einer Minderheit kennt, äußert in Umfragen weniger Klischees. Das gilt auch für Vorurteile über den Islam – nachzulesen hier und hier. Allerdings: Nur ein Drittel der Nicht-Muslime in Deutschland hat diesen Kontakt (neue Bundeländer: weniger als jeder Zehnte).

Auch sie starben bei den Anschlägen in Paris.
Ein muslimischer Journalist brachte das Schicksal des Polizisten Ahmed Merabet, den die Terroristen in Paris erschossen haben, auf den Punkt: