Unsere Herzen sind bei den Opfern in Paris. Unsere Gedanken bei populistischen Zündlern, die die schreckliche Lage schamlos ausnutzen.


Der Zeitpunkt ist bezeichnend. Noch bevor Medien berichteten, dass Polizisten einen syrischen Pass in der Nähe der Leiche von einem der Terroristen gefunden haben, zündelt Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU). Das klingt so:

Nur zur Klarstellung: Diese grausamen Taten haben mich wütend und traurig gemacht. Es ist schändlich, dass unschuldige Menschen sterben mussten, nur, weil sie ein Konzert besucht haben oder Essen gegangen sind.

Aber die Geschwindigkeit, mit der Markus Söder und andere von Trauer auf Populismus umschalten, ist ein verdammter Skandal. Noch bevor die ersten Tränen getrocknet sind, jagen die konservativen Fürsten ihre dunklen Botschaften durchs Netz. Noch bevor überhaupt sicher ist, dass es sich um einen echten syrischen Pass handelt.

Die Folge sind Ängste und Ressentiments, aber keinesfalls Lösungen. Dabei blenden die Cowboys bei ihren Schnellschüssen aus, dass Flüchtlinge vor den Schergen des IS fliehen, die in Syrien und Irak Angst und Schrecken verbreiten.

Ich habe heute den Film „Der Baader-Meinhof-Komplex“ über die RAF gesehen. Darin spielt Bruno Ganz den Präsidenten des Bundeskriminalamts, Horst Herold. Ein nachdenklicher Verbrecherjäger, der weiß, dass der Sicherheitsapparat nur die Symptome des Terrorismus bekämpft, nicht aber ihre Ursache.

Er sagt Sätze wie „Nicht die Polizei, sondern die politischen Mächte haben die Verhältnisse zu ändern, unter denen Terrorismus entsteht.“ Sie sind von ungeahnter Aktualität. Nicht nur unsere Sicherheitspolitik, auch unsere Außen-, Handels- und Entwicklungspolitik müssen auf den Prüfstand. Damit wir die fanatischen Täter finden, aber auch ihrer Ideologie den Nährboden entziehen.